- Taumea und Vertigoheel sind beides homöopathische Kombinationspräparate gegen Schwindel
- Vertigoheel ist deutlich länger auf dem Markt und besser dokumentiert
- Taumea enthält Ginkgo biloba, Vertigoheel nicht
- Beide sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich
- Die wissenschaftliche Evidenz für Homöopathika ist grundsätzlich begrenzt; es gibt aber positive klinische Erfahrungen mit Vertigoheel
- Bei anhaltenden oder starken Schwindelattacken unbedingt zum Arzt
Schwindel ist unangenehm, manchmal sogar richtig beängstigend. Ob du beim Aufstehen kurz schwankst, dich beim Autofahren schlecht fühlst oder das Zimmer sich dreht wie nach einem Karussell – du willst einfach, dass es aufhört. Zwei Mittel tauchen bei der Suche nach Naturheilmitteln gegen Schwindel regelmäßig auf: Taumea und Vertigoheel. Aber was ist der Unterschied, und welches passt besser zu dir?
Dieser Artikel vergleicht beide Mittel sachlich: Wirkstoffe, Anwendungsbereiche, Vor- und Nachteile sowie die ehrliche Frage, was die Wissenschaft dazu sagt.
Was ist Schwindel überhaupt?
Schwindel ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom. Dahinter können viele verschiedene Ursachen stecken: ein gestörtes Gleichgewichtsorgan im Innenohr, Probleme mit der Halswirbelsäule, Kreislaufschwankungen, Stress oder auch ernsthaftere neurologische Erkrankungen.
Man unterscheidet grob zwei Typen: Den Drehschwindel, bei dem sich alles um dich dreht oder du das Gefühl hast, dich selbst zu drehen. Und den Schwankschwindel, bei dem du das Gleichgewicht zu verlieren glaubst oder dich beim Gehen unsicher fühlst. Außerdem gibt es den sogenannten Liftschwindel, bei dem es sich anfühlt, als würdest du abrupt sinken oder aufsteigen.
Je nach Ursache wird anders behandelt. Homöopathische Mittel wie Taumea und Vertigoheel richten sich vor allem an Menschen, die leichteren oder wiederkehrenden Schwindel haben und lieber zu naturnahen Präparaten greifen möchten.
Vertigoheel: Das klassische Mittel
Vertigoheel ist ein homöopathisches Kombinationspräparat aus dem Haus Heel, einem deutschen Hersteller mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Herstellung von Homöopathika. Das Mittel gibt es seit den 1970er-Jahren und es gehört zu den meistverkauften pflanzlich-homöopathischen Mitteln bei Schwindel in Deutschland.
Wirkstoffe von Vertigoheel
Vertigoheel enthält vier homöopathisch aufbereitete Wirkstoffe:
- Anamirta cocculus D4 (Kokkelskörner): Klassisches homöopathisches Mittel bei Reisekrankheit, Drehschwindel und Übelkeit
- Conium maculatum D3 (Gefleckter Schierling): Wird homöopathisch eingesetzt bei Schwankschwindel, besonders beim Hinlegen oder Umdrehen
- Ambra grisea D6 (Ambra): Bei Schwindel verbunden mit Herzklopfen oder nervlicher Überreizung
- Petroleum rectificatum D8 (Petroleum): Bei Reisekrankheit und Schwindel mit Übelkeit
Es gibt Vertigoheel als Tabletten und als Tropfen. Die Tabletten lässt man unter der Zunge zergehen, die Tropfen nimmt man mit etwas Wasser ein.
Was sagt die Forschung zu Vertigoheel?
Hier muss man ehrlich sein: Die Studienlage zu Homöopathika ist generell dünn. Placebokontrollierte Doppelblindstudien gibt es für Vertigoheel nur vereinzelt, und diese haben keine einheitliche Beweiskraft. Eine häufig zitierte Studie aus den 1990er-Jahren zeigte ähnliche Wirksamkeit wie das chemische Mittel Betahistin bei Schwindel-Patienten, wurde aber von der Fachwelt methodisch kritisiert.
Was bleibt: Viele Patienten und Ärzte in der Komplementärmedizin berichten von positiven Erfahrungen. Das Mittel ist gut verträglich und hat kaum Wechselwirkungen.
Taumea: Das neuere Präparat mit Ginkgo
Taumea ist ein neueres homöopathisches Kombinationspräparat, das in Apotheken als Alternative zu Vertigoheel gehandelt wird. Es wird ebenfalls bei Schwindel eingesetzt und richtet sich an ähnliche Zielgruppen.
Wirkstoffe von Taumea
Taumea enthält eine andere Wirkstoffkombination, zu der typischerweise gehören:
- Ginkgo biloba: Hier in einer niedriger dosierten Aufbereitung eingesetzt; in höherer Dosierung gilt Ginkgo als durchblutungsfördernd für das Gehirn und das Innenohr
- Cocculus indicus (ebenfalls Kokkelskörner, wie bei Vertigoheel): Bei Reisekrankheit und Drehschwindel
- Weitere homöopathische Einzelmittel: Je nach Chargen-Formulierung können sich die genauen Bestandteile leicht unterscheiden
Der Ginkgo-Anteil ist das Alleinstellungsmerkmal von Taumea. In phytotherapeutischer (also pflanzlicher, nicht homöopathischer) Dosierung hat Ginkgo tatsächlich eine recht gute Evidenz bei bestimmten Schwindelformen, die mit Durchblutungsstörungen des Innenohrs zusammenhängen. Ob diese Wirkung auch in homöopathischer Verdünnung greift, ist wissenschaftlich nicht belegt.

Direkter Vergleich: Taumea vs. Vertigoheel
| Taumea | Vertigoheel | |
|---|---|---|
| Hersteller | Verschiedene / Apotheke | Heel GmbH |
| Marktpräsenz | Neueres Präparat | Seit ~1970er-Jahren |
| Enthält Ginkgo | Ja | Nein |
| Darreichungsformen | Tabletten / Tropfen | Tabletten / Tropfen / Ampullen |
| Studienlage | Kaum vorhanden | Vereinzelte Studien |
| Kosten | Ca. 8–14 € | Ca. 8–15 € |
| Rezeptfrei | Ja | Ja |
Stärken von Vertigoheel
Vertigoheel hat den klaren Vorteil einer langen Marktpräsenz und eines namhaften Herstellers. Die Formulierung ist standardisiert und gut dokumentiert. Wenn du auf der Suche nach dem „klassischen“ homöopathischen Mittel gegen Schwindel bist, das viele Ärzte in der Naturheilkunde kennen, ist Vertigoheel die naheliegende Wahl.
Es gibt Vertigoheel auch als Injektionslösung für die Praxis, was zeigt, dass das Mittel auch in der medizinischen Praxis eingesetzt wird. Das schafft ein gewisses Vertrauen, auch wenn das kein wissenschaftlicher Beweis für Wirksamkeit ist.
Stärken von Taumea
Taumea punktet mit dem Ginkgo-Anteil. Wer vermutet, dass sein Schwindel mit Durchblutungsproblemen zusammenhängt – zum Beispiel bei älteren Menschen oder bei Schwankschwindel nach langem Sitzen – könnte von der Ginkgo-Komponente profitieren. Das ist zwar keine gesicherte Aussage für die homöopathische Dosierung, aber ein plausibler Ansatz aus phytotherapeutischer Sicht.
Taumea ist außerdem in einigen Apotheken günstiger als Vertigoheel, was für einen längeren Anwendungszeitraum relevant sein kann.
Wann ist keines von beiden die richtige Wahl?
Bei starkem, plötzlichem Schwindel, Schwindel kombiniert mit Hörverlust, Ohrensausen, starker Übelkeit oder neurologischen Symptomen wie Taubheitsgefühl oder Sprachproblemen solltest du nicht zu Homöopathika greifen. Das sind Warnsignale, bei denen eine ärztliche Abklärung dringend notwendig ist.
Praktische Hinweise zur Einnahme
Beide Mittel empfehlen eine Einnahme von 3x täglich vor den Mahlzeiten. Die Tabletten werden unter der Zunge aufgelöst, bei den Tropfen nimmst du sie pur oder mit etwas Wasser. Du solltest mindestens 30 Minuten Abstand zu Kaffee, Minze und starken Gewürzen halten, da diese die homöopathische Wirkung nach traditioneller Lehre beeinträchtigen können.
Eine Anwendungsdauer von 4 bis 8 Wochen wird häufig empfohlen, bevor du beurteilst, ob sich etwas verändert hat. Falls nach 4 Wochen keine Verbesserung eintritt, lohnt sich ein Gespräch mit dem Arzt oder Apotheker.
Kosten und Verfügbarkeit
Beide Mittel sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und auch in einigen Online-Apotheken verfügbar. Die Preise liegen je nach Packungsgröße zwischen 8 und 15 Euro. Die Kosten werden von gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht übernommen, da es sich um Homöopathika handelt, die nicht mehr Teil der GKV-Erstattung sind (seit 2004). Manche privaten Krankenversicherungen erstatten sie auf Antrag.
Wann zum Arzt?
Homöopathische Mittel können begleitend eingesetzt werden, ersetzen aber keine Diagnose. Bitte geh zum Arzt, wenn:
- Der Schwindel plötzlich und stark auftritt
- Du zusätzlich Hörprobleme, Ohrensausen oder Tinnitus bemerkst
- Du beim Gehen stark schwankst oder stürzt
- Schwindel mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen kombiniert ist
- Der Schwindel länger als 2 Wochen anhält ohne Verbesserung
- Du Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Herzprobleme oder Diabetes hast
Ein Arzt kann die Ursache des Schwindels herausfinden und bei Bedarf gezieltere Therapien einleiten, zum Beispiel spezielle Lagerungsmanöver beim Lagerungsschwindel (BPPV) oder eine medikamentöse Behandlung bei Morbus Menière.
Fazit
Taumea oder Vertigoheel? Die ehrliche Antwort lautet: Beide sind homöopathische Präparate mit begrenzter wissenschaftlicher Evidenz, die aber von vielen Menschen als verträglich und hilfreich erlebt werden.
Wenn du ein klassisches, bewährtes Präparat bevorzugst, bist du mit Vertigoheel gut aufgestellt. Es hat die längere Geschichte, eine standardisierte Formulierung und ist in der Naturheilkunde gut bekannt.
Wenn du denkst, dass Durchblutungsprobleme eine Rolle spielen könnten, kann Taumea durch den Ginkgo-Anteil einen Vorteil haben. Probiere aus, was dir besser bekommt, oder sprich mit deinem Apotheker, der dich individuell beraten kann.
Was in jedem Fall gilt: Diese Mittel sind keine Notfalllösung und kein Ersatz für ärztliche Abklärung. Bei leichtem, wiederkehrendem Schwindel ohne ernste Begleitsymptome können sie eine sinnvolle Ergänzung sein. Mehr sollte man realistischerweise nicht erwarten, aber auch nicht weniger.
FAQ
Kann ich Taumea und Vertigoheel gleichzeitig nehmen?
Das ist nicht empfohlen. Da beide Mittel ähnliche homöopathische Inhaltsstoffe enthalten (u. a. Cocculus), solltest du nicht beide gleichzeitig einnehmen. Entscheide dich für eines der beiden oder besprich die Kombination mit einem Apotheker.
Helfen diese Mittel auch bei Reisekrankheit?
Ja, insbesondere Vertigoheel wird traditionell auch bei Reisekrankheit eingesetzt, da Cocculus ein klassisches Mittel gegen reisebedingten Schwindel und Übelkeit ist. Nimm das Mittel in diesem Fall idealerweise 30 Minuten vor Fahrtantritt ein.
Wie lange dauert es, bis eine Wirkung eintritt?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Manche berichten von schneller Linderung, andere brauchen mehrere Wochen regelmäßiger Einnahme. Als Faustregel gilt: Gib dem Mittel mindestens 4 Wochen, bevor du die Wirkung beurteilst.
Gibt es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?
Homöopathische Mittel in sehr hohen Verdünnungen haben in der Regel kaum pharmakologische Wechselwirkungen. Trotzdem solltest du deinen Arzt oder Apotheker informieren, wenn du regelmäßig andere Medikamente nimmst, insbesondere bei Ginkgo-haltigen Präparaten wie Taumea (da Ginkgo die Blutgerinnung beeinflussen kann).
Darf ich diese Mittel in der Schwangerschaft nehmen?
Für beide Mittel liegen keine ausreichenden Daten zur Sicherheit in der Schwangerschaft vor. Sprich in diesem Fall unbedingt mit deiner Hebamme oder deinem Arzt, bevor du sie einnimmst.
